|
|
|
Zweiter Derbysieg binnen vier Wochen
Es war wie im Hinspiel: spielerisch bescheiden, aber spannend. Nur diesmal gab es einen Sieger, holte sich der TSV/FC Korbach verdient mit 2:0 (1:0) die Punkte im Verbandsliga-Derby beim SC Willingen ab. Wir hatten zu wenig Qualität auf dem Platz, so ehrlich muss man sein, meinte Bernd Keindl nach dem Abpfiff. Zwar vertrat Daniel Wilke ohne Fehler den privat verhinderten Innenverteidiger Marco Harnacke. Aber insgesamt war der Ausfall von einem halben Dutzend Kreativkräften, darunter neben Christoph Keindl auch kurzfristig noch Max Ullbrich (Innenbanddehnung am Knie), nicht zu kompensieren.
Trotzdem ärgerten sich Keindl und Ulrich Schwalenstöcker mächtig über den Auftritt in den ersten 45 Minuten. „Wenn es spielerisch nicht geht, dann kann ich aber Wille, Herz und Engagement erwarten. Weil die Korbacher vom Anpfiff weg mit gutem Pressing agierten, waren die Spielanteile entsprechend einseitig verteilt. Eigentlich hätte den Kreisstädtern auch die frühe Führung durch Jonas Will per Direktabnahme von der Strafraumkante nach Brustablage des sehr eifrigen Markus Mühlenbächer Sicherheit geben müssen (13.).
Aber außer den Distanzversuchen von Will (14.) und Mathias Rösner (15.), als sich die Willinger noch schüttelten, sprang nichts heraus. Zu oft spielten die Korbacher über die Viererkette und die Sechserpositionen ohne Druck quer, dabei nur selten von den tief stehenden Gastgebern gestört. Und wenn wir dann in die Tiefe gespielt haben, dann waren alle Anspielstationen zugestellt, ärgerte sich Trainer Tobias Cramer. Er rief schon früh wir sind zu phlegmatisch“ ins Spiel. Wenn schnell, dann wurde es gefährlich, aber der ansonsten kaum Wirkung zeigende Christoph Osterhold rasierte die Querlatte (23.) und der Schuss von Jan-Henrik Vogel landete genau in den Armen des ins Willinger Tor zurückgekehrten Sven Engelhardt.
Der Rest waren viele brotlose letzte Pässe auf beiden Seiten. Als schon 42 Minuten gespielt waren, da entwickelte der SCW den Hauch von Gefahr, aber Sven Penzenstadler blockte im letzten Moment Norman Kaiser ab. Die Willinger kriegen ja gar nichts auf die Kante, war der gesperrte Hendrik Osterhold schon in der Halbzeit siegessicher. Zu früh, wie sich zeigte. Zwar vergab Vogel das schnelle 0:2 (47.), aber nun stand ein anderes Willinger Team auf dem Platz. Wir haben nur ein bisschen Druck gemacht, sah Keindl eine positive Wirkung der Pausenpredigt, und schon machen die Fehler. Daniel Butterweck zielte nach einem langen Ball von Marco Buhl knapp am langen Pfosten vorbei (53.). Cramer wurde an der Linie immer lauter: Leute, lasst euch nicht die Butter vom Brot nehmen oder spielt einfach Fußball! rief er. Aber er wurde ebenso wenig erhört wie Abteilungschef Rolf Osterhold, der brüllte: Leute, wollen wir nicht mehr? Die Gastgeber hatten sich ins Spiel gekämpft und kamen zu Chancen durch Kaiser nach Flanke von Daniel Butterweck (63.) und beim Freistoß von Butterweck, der aber zu schwach geschossen war (65.). Bezeichnend war, dass sich die Korbacher in dieser Phase in der Defensive drei Gelbe Karten von der sehr guten WM-Schiedsrichterin Katrin Rafalski (Bad Zwesten) abholten. Cramer: Da haben wir um das 1:1 gebettelt.
Nach vorne ging bei Korbach nichts mehr. „Jetzt, jetzt“, riefen die TSV-Anhänger unter den rund 500 Zuschauern immer wieder, wenn der Ball zu Christoph Osterhold kam, damit der endlich seinen alle erlösenden Turbo starten würde; aber der stotterte nur. Die Platzherren versuchten Richtung ihres Trainingstores alles, der unermüdlich rackernde Ex-Korbacher Andreas Klassen rückte vor in den Sturm. Die Frage, ob Ausgleich oder Entscheidung, beantwortete sich nach 78 Minuten. Daniel Butterweck schoss frei aus spitzem Winkel dem wenig geprüften, aber sicheren Jannik Engemann in die Arme. Er ist ja auch nicht 100 Prozent fit, da fehlten die Kraft und die Übersicht, nahm ihn Keindl in Schutz.
Bitter nur, dass im Gegenzug das 0:2 fiel. Christoph Osterhold blieb dreimal hängen, bekam den Ball jeweils wieder glücklich auf den Fuß, um dann herrlich Davin Stadtler zu bedienen. Da habe ich einen, der mit höchstem Tempo genau in diese Räume reinsticht, freute sich Cramer für seinen grad eingewechselten Joker; übrigens schon sein drittes Verbandsliga-Tor. Danach war Ruhe, atmete Cramer auf. Denn: Das hatte mit Verbandsliga-Fußball in der zweiten Halbzeit nichts mehr zu tun, sprach er seiner Mannschaft, die durch Mühlenbächer (82.) und Will (86.) hätte erhöhen können, zumindest in der ersten Erregung die nötige Spielintelligenz ab. Bei den Willingern gingen nach dem zweiten Gegentreffer die Köpfe runter. Es war kein gutes Spiel, fand auch Bernd Keindl. Nur wir stehen wieder ohne Punkte da. Es fehlte letztlich die Qualität, um die Fehler des neuen Tabellendritten auszunutzen. Ob das Sonntag gegen den Rangfünften Hessen Kassel II gelingt? Korbach bittet Sand zum Spitzenspiel. Manfred Niemeier Willingen.
Text mit freundlicher Genehmigung der
|
| •Zuletzt aktualisiert am ••Donnerstag•, den 15. •September• 2011 um 15:19 Uhr•• |



