Hans Hillmann feiert 80. Geburtstag

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Sportentwickler und Vater des Boxens in Korbach

Auch mit 80 noch gelegentlich am Sandsack: Hans Hillmann hält sich bis heute fit.
© Gerhard Menkel

Korbach – An das rauschende Fest zu seinem letzten runden Geburtstag in Goldhausen werden sich alle, die dabei gewesen sind, gern erinnern. Nun lässt es Hans Hillmann ruhiger angehen.

Von Werner Rabe

Zum 80. Geburtstag an diesem Samstag (27. Juli) wollen die Töchter Anja und Christine und die Enkel etwas vom Vater und Großvater haben. Ein gemeinsamer Ausflug nach Hamburg ist statt einer großen Fete fest eingeplant.

Hamburg ist die alte Heimat, hier wurde Hans Hillmann zum Boxer. In seiner zweiten Heimat steht er wie kein zweiter für die großen Zeiten des Boxens. Wie eine Boy-Group wurden seine Bundesliga-Fighter um das Jahr 1980 gefeiert. Korbachs Kneipen, allen voran die „Krone“, platzten vor und nach den Kampftagen gegen Bayer Leverkusen, Ringfrei Mülheim oder Boxring Berlin in der Kreissporthalle aus allen Nähten, an den Theken wurden die Ergebnisse bis in den frühen Morgen diskutiert.

Die Hansestadt rückte schnell auf die große Sport-Landkarte. Die ARD-Sportschau kam, das ZDF saß wie die großen Tageszeitungen FAZ, Süddeutsche oder Welt am Ring. Und mittendrin im großen Rummel, seelenruhig und immer cool, der blonde Hans. Seine Initialen und ebenso sein Hamburger Snack verbargen seine Herkunft, er aber wurde mit seinen Lieben schnell heimisch.

Der erste Sportamsleiter im Großkreis

Aus der Millionenstadt war er mit seiner Frau Hella ins Waldecker Land gekommen, um als Kreissportbeauftragter und später Sportamtsleiter des Landkreises Waldeck-Frankenberg den Sport in der Region anzukurbeln.

Der ehemalige Amateurboxer, der bei Heros Hamburg, dem Hamburger Boxverband und bei der Bundeswehr in Sonthofen ganz große Namen wie Olympiasieger Dieter Kottysch oder Europameister Günther Maier trainiert und sekundiert hatte, machte sich mit neuen Ideen schnell ans Werk. Der damalige Sportkreisvorsitzende Hans „Mao“ Marowsky oder Leichtathletik- und TVK-Vorsitzende Otto Lange förderten und unterstützten ihn.

Skiprominenz beim Waldecker Volkslauf: Initiator Hans Hillmann mit Iris Schulze (links) und Karin Jäger. © Günther Göge

Hillmann auf den Boxsport reduzieren zu wollen, wäre angesichts seiner unzähligen Aktivitäten deutlich zu kurz gesprungen. Er schob beispielsweise den Waldecker Volkslauf an, organisierte Trainingslager im französischen Olympia-Zentrum Vittel, die Skifreizeiten in den Alpen und mit seinen Mitstreitern auch die LG Continental Waldeck, eines der ersten Sportsponsoring-Projekte im Kreis überhaupt.

Engagiert in der Ausbildung

Hillmann engagierte sich auch im Fußball, als Trainer etwa in Korbach oder Battenberg, er betreute die Kreisauswahl, organisierte die Trainerausbildung (in verschiedenen Sportarten) und gründete die Trainer-, aber auch die Schiedsrichter-Vereinigung der Fußballer. Die Übungsleiter lagen ihm sehr am Herzen. Der Landessportbund oder der Boxverband nutzten sein Wissen und seine Begabung auch überregional.

Hans Hillmann war ein Hans Dampf in allen Gassen. Er fand schnell Kontakt – etwa bei den beiden unvergessenen „Waldecker Abenden“ am Rande der Olympischen Sommerspiele 1972 in München, die diese Zeitung organisiert hatte.

Ein Versuchsballon fliegt weit

Aber sein größtes Ding blieb das Boxen, Mit einem Aufruf in der WLZ startete Hillmann einen Versuchsballon, auch in Korbach einen Boxverein zu gründen. Was sich dann „auf der grünen Wiese“ (das Fachorgan „Boxsport“) mit den Jassmann-Brüdern Manfred und Reinhard, dem kürzlich verstorbenen Karl-Heinz Döhne, Reinhard Schmidt, Harald Radtke, den Scapellato-Brüdern und vielen anderen entwickelte, gipfelte in deutschen Meistergürteln sowie WM- und EM-Teilnahmen. Die Staffel feierte ihre größten Erfolge als deutscher Vizemeister hinter Bayer 04 Leverkusen. Korbach war plötzlich Boxhochburg.

Deutsches Meisterpaar 1980: Boxtrainer Hans Hillmann zwischen Reinhard und Manfred Jassmann. © Holger Nagel

Hillmann war kurzseitig sogar mal als Bundestrainer im Gespräch, wie DABV-Vizepräsident Heinz Birkle, der „Brückenbauer aus Karlsruhe“, später verriet. Der Deutsche und der Hessische Amateur-Box-Verband haben Hillmann für seine Verdienste vielfach ausgezeichnet. Auch an anderen Stellen wurde seine Arbeit oft gewürdigt. 

Mit „Manni“ das Wiegen verpennt

Dem Sport ist Hillmann nach wie vor verbunden. Mit seiner Lebensgefährtin Inge wird zu Veranstaltungen eingeladen, sitzt am Ring oder auf der Fußballtribüne. Mittwochs spielt er Tennis im Korbacher Tenniscenter, wenn auch gelegentlich das Knie zwickt. Auch der Sandsack im schmucken Häuschen im Ortsteil Goldhausen muss gelegentlich noch herhalten, und wenn er die Geräte im kleinen Fitnesskeller nutzt, schaut er auf die vielen Fotos an den Wänden, die ihn mit seinen vielen Freunden und langjährigen Wegbegleitern zeigen und an große Zeiten erinnern.

Die leben immer dann auf, wenn Hillmann zum Treffen der Hamburger Box-Oldies um Jürgen Blin in das Vereinsheim des SV Polizei am Schanzenstern aufbricht. Es sprüht dann nur so vor lustigen und traurigen Anekdoten. Hans Hillmann muss immer noch berichten (und kann es längst mit einem verschmitzten Lächeln tun), wie er 1978 bei den „Deutschen“ in Schriesheim mit Manni Jassmann das Wiegen verschlafen hatte. Sein Schützling, der spätere Profi, musste am Ende trotz Punktsiegs den Titel an den Kölner Hans-Werner Dietz abtreten. 

Beim Hessentag vor einem Jahr in Korbach trafen sich die ehemaligen Bundesligaboxer auf Initiative von Karl-Heinz Döhne und gingen aus Spaß noch einmal über die Waage. Zum 80. ihres alten Trainers, der immer noch das alte Kampfgewicht hält, werden nicht nur sie sich bei ihrem Hans melden, dem der Sport in Waldeck-Frankenberg insgesamt so viel zu verdanken hat. Seine Freunde und Bekannten wünschen ihm noch einige glückliche Jahre am Eisenberg in Goldhausen im Kreise seiner Familie und Sportkollegen.

Quelle

Waldeckische Landeszeitung

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Die Waldeckische Landeszeitung ist die Heimatzeitung des TSV 1850/09 Korbach e. V. Sportredaktion: Gerhard Menkel (Leiter), Manfred Niemeier, Werner Spitzkopf, Jürgen Heide, Reinhard Schmidt und Dirk Schäfer.

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