Handball: TSV Korbach vor dem Neuaufbau

In Handballby Waldeckische Landeszeitung

Fünf Stammspieler gehen
Zwei Abgänge: Till (Zweiter von links) und Lukas Westmeier (rechts) spielen nicht mehr für den TSV Korbach. Hier sind sie gegen die Hofgeismarer Kristap Svank, Christopher Gerhold und Philip Schröer (von links) in Aktion. © Matthias Lange

Im März hofften die Korbacher Handballer noch auf die Rückkehr in die Landesliga Nord. Fünf Monate später backen die TSV-Verantwortlichen viel kleinere Brötchen.

Korbach – Sie wären schon froh, wenn der Vizemeister der vergangenen zwei Jahre in der kommenden Spielzeit nicht aus der Bezirksoberliga Kassel-Waldeck absteigt. „Unser Ziel ist der Klassenerhalt“, sagt Trainer Harald Meißner. Hinter dem Wandel vom Titel- zum Abstiegskandidaten steht ein erheblicher Personalschwund. Dem Coach sind in Torwart Ivan Blagus und dem syrischen Außen Abd Alkader Altaweel gerade noch zwei Spieler seiner Stammsieben geblieben.

Der Abgang von Rückraumspieler Sebastian Wrzosek, der mittlerweile das Traineramt beim Bezirksoberliga-Aufsteiger HSG Bad Wildungen/Friedrichstein/Bergheim übernommen hat, stand schon vorher fest. Nun ist Simon Riedesel, der mit 115 Treffern torgefährlichste Korbacher Werfer, seinem Kumpel zum neuen Ligakonkurrenten des TSV gefolgt.

Riedesel, der zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der Fritzlarer Drittligaspielerin und Ex-Viper Bibiana Huck im benachbarten Wellen baut, „ist bei uns nicht zu 100 Prozent eingeplant, sondern soll dann für uns auflaufen, wenn es seine Zeit zulässt“, sagt Wrzosek.

Rückraumspieler Dave Alscher sowie die Gebrüder Lukas (Kreis) und Till Westmeier (Linksaußen) wollen auch nach der Coronapause ihre Freizeit künftig ohne Handball verbringen. Der zweite Keeper Benjamin Efendic ist ebenfalls nach Bad Wildungen gewechselt, Außenalternative Ali Altay hat seine Karriere beendet.

Korbach soll am 12. September mit dem Heimspiel gegen die HSG Zwehren/Kassel in die Saison starten. Bis dahin muss Meißner einen fast kompletten Neuaufbau bewältigen. Dass die drei Stammkräfte Alscher und Westmeier nach ihrer Zusage im Dezember und dem verpassten Aufstieg durch den Saisonabbruch wegen Corona nun erst einmal eine Handballpause eingelegt habe, hat Meißner „natürlich enttäuscht und ein paar Wochen aufgewühlt. Aber ich habe die Entscheidung hinzunehmen“, sagt der Trainer. Er habe dennoch „keinen Moment lang überlegt, den Bettel hinzuschmeißen“, fügt der der 51-Jährige an. Vielmehr gelte sein Motto, „es werden die trainiert, die da sind.“

Müller: Stehen nicht am Abgrund

Immerhin ist die Trainingsbeteiligung mit im Schnitt 15 Spielern gut. Zu ihnen gehören mit Daniel Pok, Nico Hartwig, Melvin Trapp, Benjamin Franke und Nils Schmittat auch fünf Talente, nachdem die Korbacher ihre A-Jugendmannschaft wegen des Aderlasses bei den Senioren gezwungenermaßen zurückgezogen haben.

Auch den stellvertretenden Abteilungsleiter Robert Müller ließ die Entscheidung der Westmeiers und von Alscher nicht kalt. Dass sie die Lust am Handball verloren hätten „und ihre neuen Freiheiten“ nun ohne den Sport „genießen wollen“, habe ihm „einiges an Kopfzerbrechen bereitet – auch weil sie Leistungsträger waren“, sagt Müller.

Trotz der Enttäuschung stehe dem Trio die Tür beim TSV „weit offen“. Auch wenn Müller „noch ein klein wenig Hoffnung hat“, muss der TSV jetzt ohne die langjährigen Stützen planen. Das Team kann sich aber über die Rückkehr von Regisseur Raphael Harbecke und Rechtsaußen Daniel Figge, die zuletzt pausiert haben, freuen. Müller setzt große Hoffnungen in Harbecke und sieht ihn als Führungsspieler an.

„Nachdem wir drei Jahre um den Aufstieg mitgespielt haben, ist unsere Zielvorgabe nun natürlich anders“, sagt der Ex-TSV-Kapitän, sieht aber „den Korbacher Handball nicht am Abgrund stehen. Wir wissen, was uns erwartet und wollen die Klasse halten, was schwer werden wird. Aber ich denke, dass die Jungs das schaffen werden“, sagt Müller über das neuformierte Team, in das auch Spieler aus der 2. Mannschaft (C-Klasse) aufgerückt sind.

Bei diesem Unterfangen hofft er, dass er auch auf die Unterstützung der treuen TSV-Fans setzen kann. „Es wäre für die jungen Burschen wichtig, den Rücken gestärkt zu bekommen.“

Quelle

Waldeckische Landeszeitung

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Die Waldeckische Landeszeitung ist die Heimatzeitung des TSV 1850/09 Korbach e. V. Sportredaktion: Gerhard Menkel (Leiter), Manfred Niemeier, Werner Spitzkopf, Jürgen Heide, Reinhard Schmidt und Dirk Schäfer.

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